Italien Teil 3 - die Cinque Terre, wie man sie nicht machen sollte!

Cinque Terre - Manarola

  

 

Willkommen zu unserem letzten Teil unserer Italien-Reise. Nachdem wir von Sanremo ( ja Sanremo wird zusammen geschrieben) direkt in die Toskana gefahren sind, hatten wir uns für den Rückweg auf jeden Fall die Cinque Terre vorgenommen. 

 

Ich deutete an, dass unsere Kinder keine Lust hatten. Darauf nahmen wir jedoch keine Rücksicht und fuhren am Donnerstag nach Rapollo um am nächsten Tag von hier aus zu starten. Ziel war es, die Cinque Terre an nur einem Tag zu machen.

 

 

Cinque Terre - Vielsprachig

     

Die Cinque Terre sind eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Italiens und bei alle Europareisenden auf der Must-See-Liste. Entsprechend voll ist sie. Die Bewohner der Cinque Terre haben sich darauf eingestellt. 


Cinque Terre - Monterosso der Strand

 

Wir starteten mit dem Zug und mussten feststellen, dass man in Italien für ein läppisches Zugticket also doch um die 20 Minuten Einkaufszeit einplanen sollte. Obwohl wir es sichtlich eilig hatten, was dem Verkäufer aber auch ziemlich egal war.

 

Letztendlich ging es nicht mit dem geplanten, sondern mit dem nächsten Zug los. Dieser wurde im Laufe der Zeit  voller und voller. Beim ersten Dörfchen Monterosso stiegen wir - mit weiteren gefühlt 1000 Fahrgästen aus und überschwemmten den Ort. Monterosso ist das erste Dorf, von Norden kommend und das untypischte Dorf, denn es hat einen wunderschönen Sandstrand, die anderen Dörfer haben diesen nicht. 

 

Cinque Terre - Wanderwege zwischen den Dörfern

 

Sämtliche Dörfer sind mit dem Zug sehr gut erreichbar. Von Monterosso nach Vernazza kann man aber auch anstatt Zug einen Fußweg nehmen. Wir (damit meine ich die Erwachsenen... die Kinder hatten kein Mitbestimmungsrecht - deswegen funktionieren Monarchien ja auch so gut) zogen also etwas Bewegung vor und nach knapp 2 Stunden über spektakuläre Wege durch die Weinreben, kamen wir in Vernazza an.

 

Cinque Terre - Vernazza

 

Die Fotospots der Cinque Terre sind genau markiert, denn durch die bewachsenen Wege gibt es ausgesuchte Orte, an denen man fotografieren kann und die Dörfer gut vor die Linse bekommt. Der Wanderweg war in meiner Betrachtung schon sehr voll und ich war "etwas" genervt. Was uns jedoch in Vernazza erwartete, war ein Schock. 

 

Einfach nur Menschen, kleine Menschen, große Menschen, Menschengruppen, Menschenmassen und wir mitten drin. Die Planung sah vor, nach dem anstrengenden Weg mit den Kindern nett einzukehren. Dieser Vorstellung löste sich im Menschengwirr in Luft auf. Das Hunger- und Durst-Gejammer steigerte sich allmählich. Bevor es eskalierte beendeten wir unsere Suche nach einer netten kleinen Bar oder einem entsprechenden Ristorante, holten uns eine Semmel mit Wurst und Käse beim Metzger, Limo für die Kinder und ließen uns am kleinen Dorfstrand nieder.

 

Cinque Terre - schlafende Boote

 

Die Cinque Terre bietet unvorstellbare Ausblicke, ich habe selten so wunderschöne, klischeehafte und spektakuläre italienische Fischerdörfer gesehen. Die Lage am Hang gemeinsam mit dem Meer zaubert eine fast unwirkliche Welt. Selbst ich konnte die Menschenmassen bald ignorieren.


Bereisen kann man die Cinque Terre auf unterschiedliche Art und Weise: Einmal mit dem Zug (wie wir es getan haben), aber auch mit dem Schiff. Mit dem Auto gestaltet es sich schwer, denn die Parkplatzsituation soll schwierig sein und die Anfahrt ist auch nicht immer sehr einfach.

 

Cinque Terre - Vernazza

 

Nach dieser Pause waren wir bereit für das nächste Dorf, wollten los... aber stop, in Vernazza sollte man den Blick von der anderen Seite nicht verpassen. Eine kleine versteckte Gasse führt zu diesem Aussichtspunkt.

 

Cinque Terre - Vernazza

 

Nachdem wir uns von Vernazza verabschiedet hatten, fuhren wir weiter und ließen Cornilia aus, denn die Zeit schritt voran. Der nächste Halt also in Manarola. Und wieder fanden wir (nachdem wir uns in einer Menschenmenge durch den Ort rollten) ein Dorf, das einem vor lauter Schönheit den Atem raubt.  Ich glaube hier versprachen wir uns, nochmal her zu kommen, mit mehr Zeit und zu einer anderen Jahreszeit. Wir kamen zu dem Schluss, dass man diese Cinque Terre auf mehrere Tage ausdehnen muss und dass man in den Dörfern eine Unterkunft zum Schlafen haben muss, denn am Abend, wenn die Tagestouristen weg sind, sind die Dörfer wahrscheinlich ein Traum.

 

Cinque Terre - Manarola

 

Und wenn die Touristen weg sind, bleibt bestimmt noch Zeit und Laune, die kleinen und beschaulichen Dinge zu finden und zu bestaunen.

 

 

Eigentlich kann man von Vernazza nach Riomaggiore über Via dell' amore in ca 20 Minuten laufen. Aber diese ist leider gesperrt. Also mussten wir nach Riomaggiore wieder mit dem Zug fahren. Die Züge fahren alle 20 Minuten, sind halt voller Menschen. Wobei ich diese mittlerweile erfolgreich ignorierte.

 

Cinque Terre - Riomaggiore der Blick von der Seeseite

 

In Riomaggiore kämpften wir uns ein letztes mal durch die Menschenmenge um letztendlich den Fotopunkt zu finden. Nach einem kurzen Besuch des Kiesstrandes war dann unser Tagesauflug in der Cinque Terre auch schon vorbei und bald stiegen wir in den Zug nach Rapollo um an diesem Abend los zu kommen - Richtung Heimat.

 

Warten auf ...

 

 

Das Fazit:

  • Es war voll, es war heiß, es war anstrengend und wir mussten oft warten...
  • Es war das Highlight unseres Trips.
  • Ich habe selten solch spektakuläre und klischeehaften italienische Fischerdörfer gesehen wie hier.
  • Deswegen werden wir wieder kommen, mit Zeit und mit einer oder mehreren Unterkünfte in den Dörfern.
  • Auf jeden Fall muss man diese Orte mit seinen Lieben besuchen, denn dann wird es wirklich schön. 
Ich habe den Urlaub mit meiner Familie wieder mal in vollen Zügen genossen. Es war für mich die schönste Zeit des Jahres, aus genau diesem Grund: Die wichtigsten Menschen meines Lebens waren dabei.
 




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Kommentare: 4
  • #1

    Andrea (Donnerstag, 12 Oktober 2017 16:23)

    Wunderschöne Bilder von einer wirklich hübschen Ecke Italiens.
    Das Bild von den Booten im grünen Wasser gefällt mir ganz besonders.
    So wie du es beschreibst, klingt es allerdings nach Platzangst ;) Ich war da mal im März, es war nicht ganz so warm, aber leer und zum Stromern und Stöbern eigentlich viel schöner.

  • #2

    Markus (Freitag, 13 Oktober 2017 13:07)

    Wundervolle Bilder, sehr stimmungsvoll!! Sehr italienisch... Und der Satz "Ich habe selten solch spektakuläre und klischeehaften italienische Fischerdörfer gesehen" gehört doch einfach irgendwie dazu.... So lockt man Touristen ;-) Hab ein schönes Wochenende!!

  • #3

    Conny Lomoherz (Sonntag, 15 Oktober 2017 00:15)

    Oh wow, Jürgen, wie aus einem Hochglanzmagazin! (Und mit wertvollen Hintergrundinformationen;)
    Trotz der ... Strapazen war es trotzdem das Highlight, das muss schon wad heißen. Die Abende in diesen Dörfern zu genießen, mit ein paar weniger Touris und Plusgraden, kann ich mir nur zu gut vorstellen :)

  • #4

    Jürgen (Dienstag, 17 Oktober 2017 13:30)

    Tolle Bilder. Irgendwie erinnert mich die Farbzusammenstellung etwas an die Kodak-Dias aus den 1960er oder70er Jahren. Traumhaft.
    Schön, dass Du Eure Begegnung mit der Region und ihren vielen Besuchern auch so differenziert beschreibst. Wahrscheinlich müssen wir alle damit leben, dass die "Geheimtipps" mindestens in Europa nicht mehr geheim sind. Und die Wahl des Verkehrsmittels nicht unwichtig ist. Bahn, Fahrrad, wandern... . Habe letztens auch wieder gemerkt, dass das Auto nicht immer der beste Weg ist.
    Viel Spaß weiterhin!