Teil 3 unserer Reise…
Und jetzt geht’s eigentlich erst richtig los. Kuala Lumpur war ja „nur“ ein längerer Stop-over, und Sumatra musste natürlich sein – wegen der Orang-Utans.
Nun flogen wir also nach Java.
Genauer gesagt: nach Yogyakarta. Oder, wie die Einheimischen liebevoll sagen: Jogja
Wir landeten am Abend auf Java und fuhren mit dem Grab (dem asiatischen Uber) zu unserem Stadthotel. Raus aus dem Flughafen, rein ins Grab – und los, über die Stadtautobahn nach Yogyakarta. Der Fahrer sprach nur rudimentäres Englisch, und so konnten wir uns kaum unterhalten.
Yogyakarta ist nach Jakarta die zweitgrößte Stadt auf Java und gilt als kulturelles Herz der Insel. Die Stadt wurde 1755 als Sultanat gegründet. In der Innenstadt gibt es viele moderne Cafés, Boutiquen, Coworking-Spaces und Hotels – vor allem rund um die Malioboro Street, das touristische Zentrum. Dort reihen sich Straßenstände und Modegeschäfte an Bars und Shoppingmalls. Jogja ist ein beliebtes Ziel für junge Indonesier – kreativ, studentisch, ein bisschen alternativ. Andererseits wohnt im Kraton immer noch der Sultan, und viele Rituale und Feste werden hier nach wie vor gepflegt.
Wir kamen an, besuchten noch schnell die Malioboro Street und fanden dort noch etwas zu essen und fielen danach todmüde ins Bett.
Am nächsten Morgen sollte erstmal Wäsche gewaschen werden. Also machten wir uns auf die Suche nach einem Wäschedienst und einem Frühstück, außerdem ich wollte kurz einen Blick auf die Malioboro Street bei Tag werfen.
Leider war diese wie ausgestorben: alle Geschäfte geschlossen, überall Polizei. Wir suchten ein Café nach dem anderen auf, aber alles hatte zu – diese Straße, die eigentlich so lebendig sein soll, war ungewohnt still. Es fühlte sich seltsam an. Also streunten wir durch die Gassen und landeten irgendwann in einem Labyrinth winziger Seitenstraßen.
Letztendlich beschlossen wir, zum Hotel zurückzukehren, und suchten uns dort ein Frühstück. Außerdem erkundigten wir uns nach unserem nächsten Tagesausflug – dem buddhistischen Borobudur-Tempel. Dabei erfuhren wir, dass es in ganz Indonesien derzeit Proteste gab und man uns riet, am Nachmittag lieber im Hotel zu bleiben.
Unser Plan, am Abend den hinduistischen Prambanan-Tempel zu besichtigen, landete damit ad acta. Wir beschlossen, ihn auszulassen, denn wir wollten noch etwas von der Stadt sehen – und es sollte ja bald weitergehen zur nächsten Station.
War aber okay, denn wir waren alle ziemlich erledigt. So schliefen wir uns aus und sammelten Kräfte für den nächsten Tag.
Es sollte an diesem nächsten Tag zum buddhistischen Borobudur-Tempel gehen. Außerdem wollten wir noch etwas von der Stadt sehen, bevor es am nächsten Tag mit dem Zug weiterging.
Es gibt zwei Möglichkeiten für den Tempel:
Möglichkeit 1:
Man fährt frühmorgens zu einem Aussichtspunkt, schaut sich dort den Sonnenaufgang an und besucht anschließend den Borobudur-Tempel.
Möglichkeit 2:
Man fährt – für etwas mehr Geld – direkt zum Tempel, erlebt den Sonnenaufgang direkt auf der Anlage, nimmt danach an einer Führung teil und fährt dann wieder zurück.
Wir entschieden uns für Variante 2.
Wie gesagt: teurer, aber wunderschön.
Um so eine Aktivität zu buchen, muss man nichts vor reservieren, alle unsere Aktivitäten haben wir am Vorabend klar gemacht und alles war zu einem fairen Preis machbar.
Wir wurden also um drei Uhr morgens am Hotel abgeholt.
Eine Stunde später waren wir auch schon vor Ort. Wenn man den Sonnenaufgang auf dem Tempel erleben will, dann muss man über den Eingang eines Hotels zum Tempel kommen. Für dieses Ereignis ist die Teilnehmerzahl beschränkt. Das bedeutet, dass es nicht zu voll sein würde.
Im Dunklen bestiegen wir den Tempel und landeten zum Schluss auf der obersten Plattform und warteten auf den Sonnenaufgang.
Und dann begann der Sonnenaufgang, erst ganz zaghaft, aber dann immer heller und schöner.
Die Kameras wurden gezückt und bis auf einige wenige, ging es bei dem Fotospektakel doch ganz gesittet zu.
Ich stellte in diesem Zusammenhang fest, dass es doch ein paar (eigentlich nur einen) (meistens deutsch sprechende (warum nur?)) Personen gibt, die meinen, mit einem schönen Weitwinkel (es waren glaub ich 24 Milimeter) die Szenerie von weiter hinten ohne andere Menschen mit Stativ aufnehmen zu können.
Und wenn das nicht möglich ist, nach dem Sonnenaufgang rumzunölen, dass wir nun die ganze Zeit im Bild rumgetanzt sind und man deshalb kein vernünftiges Bild zustande gebracht hat.
Nun ja, das kann ich ja nicht verstehen, denn ich bin ja immer mit diesen komischen Kameras (wie meine Holga) oder diesen kleinen Ricoh unterwegs. Ich Banause..
Egal, es wurde fotografiert und in Szene gesetzt und schöne Bilder gemacht.
Die Frage nun:
Lohnt es sich?
Ich würde sagen: Ja es lohnt sich, den Sonnenaufgang auf dem Tempel zu erleben.
Wirklich wunderschön.
Die genaue Zeit der Erbauung des Borobudur-Tempels ist nicht bekannt – es existieren keinerlei Schriftstücke oder Urkunden. Man geht jedoch davon aus, dass der Tempel zwischen 800 und 900 errichtet wurde.
Der Borobudur gilt als größter buddhistischer Tempel der Welt. Rund eineinhalb Jahrhunderte war er das geistliche Zentrum des Buddhismus auf Java. Um das Jahr 920 verlagerten sich die politischen und kulturellen Aktivitäten jedoch nach Ostjava, in Richtung des heutigen Jakarta. Dadurch wurden die Bauwerke zunehmend vernachlässigt und verfielen nach und nach.
Vermutlich kam noch ein Vulkanausbruch hinzu, der die Bevölkerung vertrieb und den Tempel unter einer Ascheschicht begrub. Der Urwald holte sich das Bauwerk zurück – und Borobudur geriet für fast tausend Jahre in Vergessenheit.
Zwischen 1814 und 1835 wurden erstmals wieder Teile des Tempels entdeckt.
1973 begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die zehn Jahre dauerten.
Heute ist der Borobudur UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Indonesiens.
Wir erhielten noch eine Führung und durften danach noch im Hotel frühstücken – das gehört dazu, es gibt dort unter anderem auch kaltes Nasi Goreng (bäh). Danach fuhren wir zurück nach Yogyakarta.
Wir streunten durch die Straßen und waren leider zu spät für den Palast … der schließt echt früh.
Einen letzten Blick auf die Mauern im Licht der güldenen, tief stehenden Sonne konnten wir noch ergattern.
Leider wurden wir dann mal wieder Touri-Opfer. Wir hörten uns eine lange Geschichte von einem älteren Herrn an, der angeblich im Palast gearbeitet hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass er uns nur zu einem Kaffeeverkaufsladen bugsieren wollte … na ja.
Mir geht es ja gar nicht darum, über den Tisch gezogen zu werden – aber ich will nicht meine kostbare Zeit vertrödeln. Und Zeit hatten wir wirklich nicht, denn wir wollten unbedingt noch in die Straßen mit der wunderbaren Streetart. Am nächsten Tag sollte es schließlich schon weitergehen.
Wir streunten also weiter und landeten schließlich in dem Viertel, dessen Wände voller Streetart waren.
Wunderschön!
Zwischen kleinen Wohnhäusern reihten sich farbige Wände aneinander: Porträts, verspielte Figuren, lustige Botschaften, viel Humor – alles eng an eng, als würde die ganze Nachbarschaft gemeinsam eine Galerie betreiben.
Im Gassengewirr zückten wir unsere Kameras und verewigten ein Kunstwerk nach dem anderen und für einen Moment fühlte sich Jogja wie ein einziges großes Open-Air-Atelier an.
Die großen Highlights wie den Sultanspalast oder den Wasserpalast hatten wir in Yogjakarta verpasst – aber die Streetart nicht. Und die war im Grunde genommen ein kleines Highlight des Tages.
Während die bekannten Sehenswürdigkeiten pünktlich ihre Tore schlossen, standen die bemalten Wände geduldig Spalier: offen, frei zugänglich, ohne Ticketschalter und Öffnungszeiten. Vielleicht waren wir zur falschen Zeit am richtigen Ort – aufgrund der Demonstrationen - und genau das machte den Reiz aus. Statt durch königliche Hallen zu laufen, tauchten wir in ein Viertel ein, das viel ehrlicher wirkte: bunt, kreativ, ein bisschen chaotisch und unglaublich lebendig.
Wir streunten weiter und landeten schließlich auf einem Platz, der sich Alun-Alun Kidul nennt. Ein tolles Erlebnis – denn der tiefer stehenden Sonne verwandelte sich der Platz in einen Treffpunkt der einheimischen Jugend, eine Mischung aus Volksfest, Jahrmarkt und Abendtreff.
Der Platz füllte sich im Minutentakt, und immer größere Gruppen junger Menschen tauchten auf – lachend und voller Leben. Überall wurde gequatscht, gegrinst, Musik gehört und gefeiert.
Der Platz füllte sich im Minutentakt, und immer größere Gruppen junger Menschen tauchten auf – lachend und voller Leben. Überall wurde gequatscht, gegrinst, Musik gehört und gefeiert.
Plötzlich war überall Leben und je dunkler es wurde, umso mehr Lichter gingen an die essenstände am Rand begannen zu bunt leuchten u und diese riesigen Kettcars, die aussehen, als hätte jemand ein Karussell auf Räder geschraubt leuchteten auch in allen möglichen Farben.
Am Ende hatten wir vielleicht nicht alle Sehenswürdigkeiten von Yogyakarta gesehen, aber das, was wir erlebten, war wunderschön.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Yogyakarta – das war eigentlich viel zu kurz.
Mit dem Zug sollte unsere Reise weitergehen, ein neues Abenteuer wartete auf uns.
Wir frühstückten noch einmal gemütlich im Hotel, packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.
Auf nach Malang.








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Conny (Sonntag, 16 November 2025 13:33)
Hallo Jürgen,
"och schade, schon zu Ende" dachte ich nach dem letzten Bild. Aber es geht ja demnächst weiter :-).
Schöne und interessante Bilder. Das Szenario mit den anderen Fotografierenden kennt wohl fast jeder ;-). Es hat sich aber gelohnt, wenn ich die Fotos ansehe. Wie schön muss es erst vor Ort gewesen sein? Gut, dass ihr die Besichtigung habt sausen lassen, die Paläste haben andere besucht und fotografiert, aber das, was ihr erlebt habt, erlebt nicht jeder.
Freue mich auf die Fortsetzung!
Liebe Grüße
Conny
Werner (Donnerstag, 20 November 2025 14:33)
wirklich schöne Fotos und dazu ein toller Beitrag. Macht sehr viel Lust auf mehr
Liebe Grüße
Werner
Jürgen (Sonntag, 23 November 2025)
Liebe Conny,
lieber Werner,
Herzlichen Dank für eure Rückmeldungen. Es wird noch etwas weiter gehen…
Liebe Grüße