Das letzte Mal erzählte ich euch von unserem Aufenthalt in Kuala Lumpur.
Danach flogen wir weiter nach Indonesien – genauer gesagt nach Sumatra.
Aber zuerst dauerte es doch eine ganze Weile, bis wir endlich ins Land hinein durften. Bei der Erstellung des E-Visums lief etwas schief, und ich durfte zunächst nicht einreisen …
Also musste ein neues Visum her – für 30 €, und dann war der Weg endlich frei. Als wir alles beisammen hatten, waren natürlich schon alle anderen Passagiere verschwunden.
Unser Fahrer wartete immerhin geduldig auf uns.
Doch da wir inzwischen wussten, dass unser Anschlussflug nach Java gestrichen war, wollten wir unbedingt den Schalter von Lion Air finden, um einen Ersatzflug zu bekommen.
Der Fahrer lächelte tapfer (er hatte uns offensichtlich nicht verstanden), und wir verschwanden in den ersten Stock, um uns um den Flug zu kümmern.
Das klappte dann auch erstaunlich gut – wir hatten bereits einen Tag nach unserem ursprünglichen Flug den neuen Flug.
Der Vorteil: So konnten wir einen Tag länger in Bukit Lawang bleiben.
Wir fuhren also endlich vom Flughafen los …
Unterwegs wollten wir noch unsere Telefonkarten kaufen. In Indonesien geht das Ganze nämlich nicht per E-SIM – man braucht eine physische Karte. Das Einrichten übernehmen dort meist die Verkäufer.
Da wir es besonders günstig haben wollten, hielten wir an einem kleinen, leicht dubiosen Laden. Meine alte SIM wurde entfernt, die neue eingelegt – darauf folgte ein wildes Herumgetippe in den Einstellungen, ich verfolgte tapfer das Geschehen um ja nicht zu verpassen, wenn mit dem Handy irgendwelche betrügerischen Sachen gedacht werden, das Tippen ging weiter… doch nichts funktionierte.
Also eine neue Karte … wieder nichts.
Nun gut … noch eine Karte – immer noch nichts. Ich wurde langsam nervös, das Ganze wurde zunehmend chaotisch.
Dann kam auch noch der Mann der Verkäuferin mit einem ganzen Stapel weiterer Karten und probierte vier oder fünf davon durch. Ich wurde nervöser und nervöser – mein Handy wechselte ständig die Hände, Karten wurden geschoben, gedrückt, getauscht …
Und währenddessen wurde auch am Handy meines großen Sohnes fleißig herumgefummelt. OMG!
Ich hatte richtig Muffensausen. Also stoppte ich die Aktion – lieber kein Internet als kein Handy!
Ich beschloss, einfach die mobilen Daten der anderen per Hotspot zu nutzen. Bei ihnen funktionierte alles tadellos, und ich war einfach nur froh, dass mein Handy überhaupt noch lebte.
Rückblickend hätten wir das Ganze wohl besser direkt am Flughafen erledigt – dort wäre es vermutlich nicht nur günstiger, sondern auch stressfreier gewesen.
Dann fuhren wir endlich weiter – quer durch Medan.
Und was soll ich sagen: Im Vergleich zu Kuala Lumpur ist der Verkehr dort nochmal eine ganz andere Liga.
Allmählich brach die Nacht herein – in Indonesien herrschen ziemlich genau zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht.
Und kaum begann die Nacht, begann auch der Regen.
Wir fuhren etwa vier Stunden Richtung Westen.
Schon bald stellten wir fest, dass die Lichter der Fahrzeuge hier auf eine sehr eigene Art eingesetzt werden - ein bisschen wie Waffen.
Wild blinkend und permanent lichthupend rast alles, was Räder hat auf die jeweilige Kreuzung zu.
Lastwagen und Busse lieferten sich ein Endgegener-Battle in dem sie ein regelrechtes Feuerwerk aus Scheinwerfern und Blinklichtern abfeuerten, wenn sie einem anderen Fahrzeug und auch uns entgegenkamen.
Allmählich wurden die Straßen immer schlechter. Die Wischer zogen Schlieren über die Scheibe, der Regen prasselte heftiger – und die Sicht schrumpfte auf gefühlt zwei Meter.
Das störte den Verkehr allerdings kein bisschen. Nur meine Nerven.
Ich sah nichts mehr – keine Schlaglöcher und keine Fußgänger, die am Straßenrand durchs Dunkel huschten.
Die Straßen wurden so miserabel, dass man ständig auf die Gegenfahrbahn ausweichen musste – das gleiche tat der Gegenverkehr.
Lichthupe auf Anschlag – es galt nur noch das Gesetz des Stärkeren.
Der typische Dialog lief folgendermaßen ab:
„Oh da überholt ein Bus einen Lastwagen… und beide rasen auf uns zu…“
„Wir können nicht ausweichen…“
„Oh - wir werden alle Sterben!!!“
„Ok doch nicht…“
Spoiler: Wir überlebten!
Wie schon so manche Fahrt zuvor und danach. Nach vier Stunden kamen wir schließlich in Bukit Lawang an – genauer gesagt, an einem einsamen Parkplatz.
Unser Fahrer erklärte uns vorher, dass wir dort abgeholt werden würden.
Und tatsächlich: Vier schmächtige Jungs warteten mit Mopeds auf uns.
Wir übergaben ihnen unsere Rucksäcke – die verschwanden gekonnt zwischen den Beinen – und wir sollten uns festhalten.
Durch die „Hauptstraße“ von Bukit Lawang ging’s weiter – die so breit ist, wie ein deutscher Fußweg. Kein Wunder also, dass hier Mopeds das Transportmittel der Wahl sind.
Unsere Unterkunft war das Garden Inn – eine wunderschöne Anlage direkt am Fluss, mit eigenen Guides für den Dschungel.
Bukit Lawang ist ein Dorf, das mitten im Urwald Sumatras liegt – rund 86 Kilometer nordwestlich von Medan.
Das klingt nach keiner großen Entfernung, aber bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 25 km/h kann die Fahrt schon mal etwas länger dauern.
Bukit Lawang ist ein kleines ursprüngliches, sympathisches Örtchen. Es gilt als Tor zum Gunung-Leuser-Nationalpark – dem größten Schutzgebiet für Sumatra-Orang-Utans.
Gleichermaßen bekannt sind die Brücken – Hängebrücken aus Holzplanken, Seilen und einer ordentlichen Portion Mut.
Mal mehr, mal weniger wackelig, schwingen sie elegant über den Fluss, der sich mitten durch Bukit Lawang schlängelt.
Man erkennt sofort, wie lange jemand schon im Ort ist:
Die frisch angekommenen Touristen tasten sich mit angespannter Miene über die Planken, klammern sich an die Seile, als hinge ihr Leben davon ab – und versuchen gleichzeitig, irgendwie lässig zu wirken.
Wer ein paar Tage länger hier ist, spaziert dagegen mit Flipflops und einem Getränk in der Hand drüber, als wäre es ein ganz normaler Gehweg.
Die Einheimischen toppen das Ganze natürlich:
Sie fahren mit ihren Mopeds über die Brücken, balancieren dabei Gepäck, sperrige Dinge oder auch mal die Ehefrau samt zwei oder drei Kinder auf dem Schoß – völlig unbeeindruckt.
Für sie ist das kein Nervenkitzel, sondern schlicht Alltag.
Da sich der nächste Flug um einen Tag verschoben hatt, gewannen wir einen zusätzlichen Tag dazu.
Wir erkundeten das Dorf und machten uns zu einem kleinen Spaziergang zu den Bat Caves auf.
Irgendwann bogen wir versehentlich falsch ab – und wurden sofort von vielen freundlichen Gesichtern und neugierigen Blicken begrüßt.
So landeten wir auf dem Gelände von Project Wings.
Ein wundervolles Projekt – gegründet von Deutschen, und zwar ganz ohne großes Schild oder Besucherzentrum. Wir stolperten einfach hinein, neugierig und ein bisschen ahnungslos, und schon kamen ein paar freundliche Indonesier auf uns zu, die uns erklärten, was hier passiert.
Der Gründer, Basti, war früher viel unterwegs, besuchte verschiedenste Umweltprojekte weltweit und begann 2018 gemeinsam mit Einheimischen in Indonesien, gegen die Plastikflut anzukämpfen. Daraus entstand 2019 die Organisation Project Wings, mit dem Motto „FIND A WAY, NOT AN EXCUSE“ – also: Finde einen Weg, keine Ausrede.
Wir standen also auf dem Gelände und bald kam ein junger Mann um uns zu erklären, was hier voran getrieben wird. Ganz besonders gefreut haben sich alle darüber, dass wir uns wirklich für ihr Projekt interessierten. Mit spürbarem Stolz zeigten sie uns ihr kleines Umweltdorf, erklärten geduldig jedes Detail der Bauweise und führten uns über das Gelände. Man merkte sofort, wie viel Herzblut, Zeit und Gemeinschaft in diesem Ort steckt – und wie sehr sie sich darüber freuten, ihre Arbeit mit uns zu teilen.
Dass Indonesien unter einer wahren Plastikflut leidet und gleichzeitig viele der einst dichten Regenwälder in endlose Palmölplantagen verwandelt werden, ist leider längst kein Geheimnis mehr. Angetrieben von dem Willen, nicht nur darüber zu reden, sondern etwas zu tun, kam Basti auf die Idee, ein sogenanntes Ecobrick-Pfandsystem einzuführen.
Die Locals werden dabei bezahlt, Plastikmüll zu sammeln und in Plastikflaschen zu stopfen.
So entsteht ein Ecobrick – eine Art „Baustein aus Abfall“. Diese werden als Baumaterial verwendet – eine clevere Methode, um Müll zu reduzieren und gleichzeitig etwas Neues zu schaffen. Das Pfandsystem dahinter ist die eigentliche Innovation: Es sorgt dafür, dass Müllsammeln nicht nur ein guter Gedanke bleibt, sondern auch wirtschaftlich Sinn ergibt.
Die Anlage zeigt eindrucksvoll, wie umweltbewusstes Bauen funktionieren kann – mit recycelten Materialien, nachhaltigen Ideen und einer Menge Kreativität. Hier wird recycelt, kompostiert, getüftelt und ausprobiert. Pflanzenreste werden zu Humus verarbeitet, es entsteht fruchtbare Erde, auf der wieder Neues wächst.
Außerdem gibt es eine Schule, in der Kinder und Erwachsene lernen, wie man mit der Natur lebt, statt gegen sie.
Regelmäßig findet ein Markt statt, bei dem Produkte aus der Region angeboten werden, und das Beste: Die Menschen des Dorfes sind mittendrin statt nur dabei.
Viele von ihnen finden hier feste Arbeit zu einem fairen Lohn – ein wichtiger Schritt in einer Region, in der das keine Selbstverständlichkeit ist.
Ich war wirklich beeindruckt – von der Idee, der Umsetzung und vor allem von der Energie, die dieser Ort ausstrahlt.
Wer in Bukit Lawang unterwegs ist, sollte unbedingt einen Abstecher hierher machen.
Es ist einer dieser Orte, an denen man merkt: Veränderung fängt klein an – aber sie funktioniert.
Wie kann man das Projekt unterstützen?
Man kann spenden, Recycling, Tierschutz oder Bildung oder alles. Auch ist es möglich als Volunteer tätig zu sein.
Wer jedoch etwas schönes Nachhaltiges erwerben möchte, kann auch mit einem Einkauf unterstützen.
www.project-wings.de
Nach diesem Anstecher zogen wir weiter zu den Bat Caves, einer Höhlenlandschaft am Rande von Bukit Lawang.
Es handelt sich um drei Höhlen, die man nacheinander durchquert – und in denen man unzählige Fledermäuse in ihrem natürlichen Wohnzimmer beobachten kann.
Schon am Eingang warteten einige Guides mit Taschenlampen und breitem Lächeln. Sie bieten Führungen an, was man unbedingt annehmen sollte.
Klar, theoretisch kann man auch allein hineingehen – praktisch sieht man ohne Guide weder etwas noch findet man wieder heraus. Außerdem wissen die Guides genau, wo die spannendsten Stellen sind, und vor allem, wo man den Kopf einziehen sollte.
Innen ist es heiß, feucht und irgendwie magisch.
Die Luft steht, Tropfen fallen von der Decke, und aus jeder dunklen Ecke flattert oder fiept es. Es gibt giftige Insekten, Skorpione, Frösche, und Fledermäuse und Vögel. Wir kletterten durch enge Gänge und erkundeten alle Höhlen. Ich schwitzte wie noch nie in meinem Leben – und das will was heißen. Eine Stunde später tauchten wir wieder auf, durchgeschwitzt, schmutzig, aber glücklich.
Es war ein Erlebnis, das einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Am nächsten Morgen war es dann so weit: Unser großes Abenteuer im Regenwald stand an.
Der Gunung-Leuser-Nationalpark wartete – ein grünes Meer aus Bäumen.
Mit rund 900.000 Hektar Fläche gehört der Gunung-Leuser-Nationalpark zu den größten Nationalparks Indonesiens – und zu den artenreichsten Regenwäldern der Welt.
Der Park ist Heimat des vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tigers, des Sumatra-Nashorn, Waldelefanten, Gibbons, Makaken, Languren, Sumatra-Fasane, der majestätischen Nashornvögel und der ebenso gefährdeten Sumatra-Orang-Utans.
Damit ist der Gunung-Leuser-Nationalpark so etwas wie die letzte Bastion der Artenvielfalt auf Sumatra.
Etwa 75 % aller wildlebenden Sumatra-Orang-Utans leben hier – neben Borneo der einzige Ort auf der Welt, an dem diese außergewöhnlichen Menschenaffen noch in freier Wildbahn vorkommen.
Ein Ort, an dem man spürt, wie zerbrechlich und gleichzeitig kraftvoll Natur sein kann – und wie winzig man sich selbst darin fühlt.
Wir hatten vor, zwei Tage im Dschungel zu verbringen. Dabei begleiteten uns Mewan und Ewan – zwei wundervolle junge Männer, die nicht nur unser Guide-Team waren, sondern auch mit Herzblut über ihren Regenwald erzählten.
Ewan legte großen Wert darauf, uns alles zu erklären: die Pflanzen, die Geräusche, die Tiere – aber auch die Veränderungen, die durch die Ölpalmenplantagen verursacht wurden.
Mittlerweile sind große Landstriche Sumatras in endlose Reihen von Palmen umgewandelt worden. Vom Flugzeug aus hatte ich es schon gesehen: riesige Flächen, monoton mit Palmen bedeckt, so weit das Auge reicht.
Früher bauten die Bauern hier Kautschukbäume an. Die Flächen waren kleiner, und in diesen Kautschuk-Wäldern fanden Affen und andere Tiere noch Nahrung und Schutz. In den Palmplantagen herrscht dagegen eine bedrückende Stille: keine Nahrung, kaum Schatten, und die Temperaturen steigen weit über das erträgliche Maß hinaus.
Also wanderten wir immer tiefer hinein, durch dichtes Grün, über Baumwurzeln, durch das Rascheln kleiner Tiere – und bald schon erhielten wir die spannende Nachricht: ein Orang-Utan sei in der Nähe zu sehen.
Und so war es auch …
Nun gut, ein bisschen Safari-Feeling war schon dabei – sobald irgendwo ein Orang-Utan gesichtet wurde, setzte sich alle kleinen Treckgruppen in Bewegung, um den Schauplatz zu erreichen. Dann begann das große Klicken, Zoomen und Filmen, als gäbe es den BBC-Dokumentarpreis zu gewinnen.
Die Orang-Utans selbst nahmen das Ganze mit stoischer Gelassenheit. Sie hingen träge in den Ästen, schaukelten sich gemächlich von Baum zu Baum – keine akrobatischen Sprünge, eher eine lässige Fortbewegung aber doch stetig voran.
Wir sahen mehr, als wir zu hoffen gewagt hatten: Weibchen, Paare und sogar Mütter mit ihren Jungen. In den zwei Tagen zählten wir elf Orang-Utans, und das Beste – sie waren erstaunlich nah.
Irgendwann wurde es ruhiger, die Eintages-Touristen verschwanden, und plötzlich hatten wir den Dschungel fast für uns allein. Wir kletterten bergauf und bergab, und das Gelände wurde immer steiler – und dann noch ein bisschen steiler …
Nach einem unglaublich steilen Abstieg erreichten wir – völlig durchnässt und schweißgebadet – endlich den kleinen Fluss, an dem unser Nachtlager wartete.
Bei diesem Abstieg rutschte ich einmal ordentlich weg, und mein leichter Rucksack, in dem meine Pentax steckte, krachte unsanft auf den Boden. Ich zuckte kurz zusammen, prüfte flüchtig den Reißverschluss, dachte mir aber nichts weiter dabei – und fotografierte fröhlich weiter, als wäre nichts passiert.
Am Abend begann es zu regnen, erst leise, dann immer kräftiger – und unser lieber, kleiner Fluss verwandelte sich in einen reißenden Strom, der mit lautem Getöse vorbeischoss. Doch am nächsten Morgen war das Spektakel schon wieder vorbei: Der Fluss murmelte friedlich dahin, als wäre nie etwas gewesen.
Ich hingegen hatte weniger Glück. In dieser Nacht bekam ich die berüchtigten Dschungel-Magenprobleme und besuchte die „Jungle-Toilette“ mehrmals – sagen wir mal so: ein Erlebnis, das ich nicht unbedingt wiederholen muss.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Rückweg. Wir verabschiedeten uns vom Camp, warfen noch einen letzten Blick auf den friedlich plätschernden Fluss – und dann ging’s los.
Das bedeutete allerdings: den steilen Hang vom Vortag wieder hinauf. Und der hatte es in sich. Schon nach wenigen Minuten fragte ich mich, warum ich eigentlich keine gemütliche Strandreise gebucht hatte.
Nach einem langen, anstrengenden Tag in der tropischen Hitze – einem Tag, an dem ich mehr geschwitzt habe als je zuvor in meinem Leben – erreichten wir schließlich den letzten Hang. An Seilen hangelten wir uns bergab, jeder Schritt forderte noch einmal volle Konzentration und die letzten Kraftreserven.
Unten angekommen, wartete ein weiterer Fluss auf uns – unser Weg zurück nach Bukit Lawang.
Dieser besondere Ort am Rande des Regenwaldes lebt heute fast ausschließlich vom Tourismus, der wiederum den Orang-Utans zu verdanken ist. Bukit Lawang wurde einst durch eine Auswilderungsstation für in Gefangenschaft gehaltene Tiere bekannt.
Bis 2015 wurden dort „halbwilde“ Orang-Utans regelmäßig auf einer Plattform gefüttert, um ihnen den Übergang in die Freiheit zu erleichtern. Einige dieser Tiere – vor allem Weibchen – leben noch immer in den Regenwaldgebieten direkt hinter dem Ort.
Zum Abschluss unserer Tour hatten wir das große Glück, noch eine dieser Orang-Utan-Damen mit ihrem Jungen zu sehen. Gelassen musterte sie uns, als wolle sie sagen: „Na, ihr schon wieder?“ – und nach einer Weile schwang sie sich, gefolgt von ihrem Nachwuchs, lautlos ins Dickicht zurück.
Nach diesem letzten Gruß aus dem Dschungel wartete noch ein ganz besonderes Finale auf uns: Wildwasserrafting – indonesischer Stil!
Auf traditionellen Gummiflößen, kunstvoll aus riesigen Reifenschläuchen zusammengeschnürt, stürzten wir uns in die Fluten. Das Wasser war angenehm kühl, die Strömung kräftig genug, um uns voran zu bringen, aber nicht so wild, dass man um sein Leben fürchten musste. Zwischen Lachen, Spritzern und gelegentlichen „Achtung, großer Stein!“-Rufen trieben wir den Fluss hinunter, umgeben von dichtem Grün, Vogelrufen und Gibbons, die uns vom Ufer aus beobachteten und dem Gefühl, etwas richtig Abenteuerliches erlebt zu haben.
Nach einer guten halben Stunde tauchte am Ufer der Ort wieder auf – ein vertrauter Anblick nach zwei Tagen Dschungel, Schweiß und Matsch. Erschöpft, aber glücklich, zogen wir die nassen Sachen aus, bestellten das wohlverdiente kalte Getränk – und ließen das kleine große Abenteuer von Bukit Lawang Revue passieren.
An diesem Abend wurde gesungen – bei unserer Unterkunft, begleitet von Gitarre, einer Holzkiste als Trommel und jeder Menge guter Laune. Wie schön das war! Ein gemütlicher Ausklang im schimmernden Nachtlicht und in tropisch warmer Abendluft, während irgendwo im Hintergrund noch die Grillen zirpten und der Fluss leise rauschte.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Rucksäcke packen, ein letzter Blick in den Dschungel, der uns so viele Abenteuer, Schweiß und unvergessliche Momente beschert hatte – und dann ab zum Flughafen.
Der nächste Flug wartete schon auf uns.
Ziel: Java.








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Werner (Sonntag, 19 Oktober 2025 15:39)
Es klingt abenteuerlich und spannend. Danke fürs Mitnehmen, Bin gespannt, wie es weitergeht.
Liebe Grüße,
Werner
Conny (Mittwoch, 12 November 2025 06:45)
Lieber Jürgen,
wieder ein toller Reisebericht, der sich spannend liest und mich in eine mir völlig fremde Welt entführt hat. Ich wäre zu bequem, um solche Strapazen auf mich zu nehmen (und nicht fit genug ;-) ). Nun bin ich auf Java gespannt.
Liebe Grüße
Conny
Jürgen (Donnerstag, 13 November 2025 16:49)
Liebe Conny,
danke für den Kommentar.
Java kommt bald...