Mittelformat To Go - Agfa Isola

Agfa Isola mit ihren Mittelformatschwestern

 

Mittelformat ist toll, und mittlerweile einigermaßen preisgünstig, aber immer noch recht teuer im Vergleich zu sonstigen analogen Kameras. Mittelformatkameras gibt es groß, perfekt, hochqualitativ und hochpreisig. Aber es gibt sie auch einigermaßen klein, handlich, unkompliziert, eingeschränkt und günstig. Da sind einige Klappfalter und auch einige Spielzeugkameras (wie die Holga) dabei.

 

Bei den handlichen Mittelformatkameras gibt es die Agfa Isola auch im Sortiment. Diese "elegante Tubuscamera" - wie Agfa sie bewirbt, gibt es in mehreren Varianten. 


Tubuskameras sind eng verwandt mit den Klappkameras. Klappkameras stellen den Versuch dar, technisch an die anspruchsvollen Ergebnisse einer Rollfilmkamera heranzukommen und dabei möglichst kompakt zu sein. Die Tubuskameras sind eine entsprechende Weiterentwicklung der Klappfalter an der - statt der Klappe - ein Tubus eingebaut ist. Dieser Tubus kann dann ein- oder ausgefahren werden und so wird der notwendige Abstand zwischen Film und Objektiv hergestellt. 

 

Für diese Kameras wurde der damals neue Werkstoff Bakelit - ein Kunstharz - genutzt.

 

Isola mit Agnar 6.3/75

Die Agfa Isola wurde ab 1957 gebaut und in unterschiedlichen Ausführungen angeboten. Die Isola war die erste Ausführung und fand bald einen Nachfolger, die Isola I. Diese hat nur eine Blende 11, statt zwei Blenden.

Mein Prachtstück - die Isola - welche ab 1957 zur Isola II wurde - hat sogar zwei Blendeneinstellungen zur Auswahl, 11 und 6.3. 6.3 sind beim Mittelformat recht offen. Das Objektiv - Agfa Agnar - ist sogar vergütet und produziert ziemlich scharfe Ergebnisse. Das Ganze ist also nicht vergleichbar mit den Spielzeugmittelformatkameras.

Sie wurde damals für 39,50 verkauft.

"Wer Isola wählt, ist gut beraten!

 

Die Isola ist ziemlich handlich und unkompliziert, da sie den besagten Tubus hat, der bei Bedarf ausgefahren wird. Im Transportmodus ist dieser eingefahren. So kann diese Kamera unkompliziert überall mitgenommen werden. Zum Fotografieren dreht man das Objektiv leicht nach links und fährt den Tubus aus. Jetzt ist die Kamera bereit und nach dem Blick durch den Sucher kann man loslegen.

 

Agfa Isola - eingefahrener Tubus
Agfa Isola - ausgefahrener Tubus

  

Die Einstellungen der Kamera sind - von oben gesehen -  übersichtlich, es stehen keinerlei Funktionsknöpfe zur Verfügung, außer dem Auslöseknopf und dem Spulenknopf, an dem nach der Belichtung weiter gedreht wird. Im kleinen roten Fenster auf der Rückseite wird dann überprüft, wann das Drehen ein Ende hat (also die nächste Zahl für das nächste Foto auftaucht), die Doppelbelichtungssperre frei macht und die Kamera für den nächsten Schuss bereit ist.

 

Agfa Isola - geballte Technik von oben

 

Die eingeschränkte Auswahl an Einstellungsmöglichkeiten macht die Kamera zu einer klassischen Point & Shoot Kamera.

Die Belichtungszeit 1/100 oder 1/30 in Verbindung mit einer Blende 6.3 oder 11 machen einen Belichtungsmesser unnötig.

Ich belichte nach folgendem Muster:

Sehr hell bis hell (Sonnenschein bis in den Nachmittag hinein) 1/100 Sek

Sehr hell bis hell (Sonnenschein bis in den Nachmittag hinein) Blende 11

Bewölkt bis in den Abend Blende 6.3


Und wenn´s dunkler wird 1/30, wobei man dabei schon eine ruhige Hand haben sollte.

Die Kamera war - wie auch in der Werbung erwähnt - auf Kontaktabzüge ausgelegt, da sind weiche 1/30 Sekunden Belichtungszeiten schon in Ordnung. 

 

Bei diesen Einstellungsmöglichkeiten darf der Belichtungsmesser also ruhig daheim bleiben. Der Dynamikumfang des Films wird es schon richten. 

 

Agfa Isola - gute Qualität

 

Zur Not gibt es ja noch einen Bulb-Modus und ein Stativgewinde. Diese Kamera entstand in einer Zeit in der Rollfilm Normalfilm war. Die Kamera ist eine Point & Shoot-Kamera zum immer dabei haben und bietet natürlich nur eine eingeschränkte Qualität, jedoch als Mittelformat. Die Bilder aus der Kamera haben eine vernünftige Qualität (ok, Gegenlicht mag sie nicht so...)

 

Scharf gestellt wird mit der "Guess-O-Matic-Einstellung" - Entfernung schätzen und anschließend die geschätzte Entfernung einstellen und hoffen.

 

Fazit:

Als täglicher Begleiter habe ich sie in meiner Bürotasche derzeit immer dabei. Sie macht Spaß und ist aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten einfach nur unkompliziert. Sie ist natürlich auf keinen Fall mit den hochwertigen Mittelformatkameras zu vergleichen (will sie aber auch nicht) und ist mit ihren 75 mm Objektiv, welches nahezu eine Normalbrennweite ist, universal einsetzbar.

Ich mag diesen kleinen leichten Begleiter sehr gerne und bin von den Ergebnissen sehr angetan. Außerdem ist diese Kamera für höchstens 10,- in der Bucht sehr erschwinglich.

 

Technische Zusammenfassung:

Baujahr: 1956

Preis: 39,50 DM

Brennweite 75 mm

Objektiv: Agfa Angar mit 75 mm Brennweite und einer offenblende von 6.3

Zeiten: 1/30 und 1/100 und Bulb 

kein Belichtungsmesser, also auch keine Batterien

Fokussierung:  "Guess-O-Matic" Schätzfokussierung nach Abstand

Sucherinformation: keine

Film­transport: Spulenknopf.

Doppelbelichtungssperre

 

 

 

 



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