Dirty and dark - Film cooking und pushen

Ford Mustang 289 - einfach schön

 

Endlich habe ich mich wieder in den Keller verzogen und ein paar alte Filme entwickelt. Dieses mal habe ich der Einfacheit halber einfach eine Standentwicklung mit Rodinal durchlaufen lassen. 1:100 für ca. 1,5 Stunden und damit diesen APX 400 gepusht auf 3600 ganz gut raus bekommen.

" Oh das wird bestimmt nix, denn den Tri-x habe ich höchstens um eine Blende gepusht und mehr wird nix..."  so oder so ähnlich finden sich einige Aussagen in sogenannten Expertenforen.

 

Tut mir leid - vielleicht finden das einige ziemlich doof - aber das stimmt nicht, Schwarz/Weiß-Film kann gepusht werden wie doof. Über den Look kann man natürlich streiten, aber ich mag es gern dirty. Chris und Moni  (die beiden analog-Junkies mit eigenem Buch) haben da auch so ihre Erfahrungen gemacht.
Ford Mustang 289
" Was ist den das? Pushen?"
Es gibt zwei Bezeichnungen, Push und Pull.
Push bedeutet ein Film wird unterbelichtet und dafür länger entwickelt. Zum Beispiel wird ein Film mit der ISO-Vorgabe 400 einfach bei ISO 800 belichtet. Dafür wird einfach länger entwickelt.

 Sehr gut kann man die Zeiten bei Massive Dev Chart nachschauen.

 

" und was ist denn nun Pull."

 
Pull bedeutet ein Film wird überbelichtet, also anstatt ISO 400 bei ISO 200 belichtet. Die Entwicklungszeiten verkürzen sich dadurch.
Ford Mustang 289

 

Der Film reagiert natürlich darauf. Vereinfacht gesagt, wird die Kontrastkurve beim Pullen flacher und beim Pushen steiler. Übersetzt: beim 

Pullen kommen viel mehr mittlere Grautöne hervor, beim Pushen verschwinden diese zunehmend. Das verändert natürlich den Bildlook. Ich persönlich liebe Ergebnisse mit steilen Kontrasten.

"Was passiert beim extremen Pushen?" 

Da wird nicht nur um eine Stufe unterbelichtet, sondern um mehrere. Ich habe diesen Film anstatt ISO 400 bei ISO 3200 belichtet und so wird der Film um 3 Blendenstufen unterbelichtet und dann dafür länger entwickelt.
Ford Mustang 289

 

Da ich ja ein fauler Strick bin, habe ich diesmal einfach mal die Standentwicklung ausprobiert und für mich entdeckt.

 

"Und was war gleich nochmal eine Standentwicklung? "

 

In Kurzform: So wenig Entwickler wie möglich in die Entwicklerdose, also wenig Entwicklerkonzentration und möglichst lange Entwicklungszeiten ohne großartige Bewegung. Für mich als faulen Sack, der sich eh nicht immer an die exakten Kippzeiten hält eine wunderbare Form des Filmentwickelns.

Hier waren es genau 5 ml Rodinal auf 450 ml Wasser (also ca. 1:100). Und das Ganze stand dann für ca. 1,5 Stunden einfach so rum.

Danach fixieren, wässern und fertig.

 

Ford Mustang 289

 

Ich habe wieder richtig Lust bekommen auf Film ohne Farbe. Film ist einfach etwas rauher und archaischer, als das glattgebügelte digitale Format (Nix gegen digital - mach ich ja auch ununterbrochen). 

 

Diesmal habe ich bei der Nachbearbeitung nochmal etwas zugelangt und so vielleicht für den einen oder anderen etwas zu extreme Ergebnisse hervor gebracht.

 

 

Ich habe meine kleine Analoge auch wieder geladen - mit einem 400er Tri-X - den ich auf 3600 Iso hochjage. Zuhause liegt ein Beutel Microphen bereit, damit wird der nächste Film entwickelt. Auf jeden Fall freue ich mich wieder darauf, ein paar selbst gemachte klassische Bilder zu erhalten. Ist zwar immer mehr Aufwand (Entwickeln, Scannen und Nachbearbeiten) aber es lohnt sich (für mich auf jeden Fall).

 



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Kommentare: 1
  • #1

    Katrin (Freitag, 19 Mai 2017 18:51)

    Ui - klasse Ergebnisse! Ich mag besonders den Schmelz auf den Metallteilen.
    Standentwicklung hab ich bisher nur mit Caffenol gemacht - aber da ich auch zu Deiner Stricksorte gehöre � mach ich mich doch da glatt nochmal für Xtol schlau!!
    Liebe Grüße Katrin