Das Projekt 365+1 - Jeden Tag ein Bild habe ich am 09. Februar 2013 beendet, es startete 

am 09. Februar 2012 


Folgende Regeln hatte ich für mich aufgestellt:

  • Das Bild soll - soweit möglich - handgemacht sein, also ohne Automatikfunktion oder Motivprogramm der Kamera. 
  • Ich versuche jeden Tag ein Bild zu knipsen, werde jedoch - falls es zeitlich eng wird - auf Vorratsfotos - die im Rahmen des Projekts zusätzlich entstanden sind - zurückgreifen.
  • Ich versuche jeden Tag ein Bild auf den Computer zu übertragen und auch auf die Seite zu laden - was jedoch nicht immer klappen wird.
  • Ich möchte beim Projekt Spaß haben und keine perfekten Ergebnisse erwarten.
  • Es wird oft Bilder geben, die nicht absolut gut sind, das macht jedoch nichts - hauptsache ein Bild wurde gemacht und daraus gelernt...

Jetzt ist Februar 2013 und ich kann mit stolz geschwellter Brust sagen:

Ich habe durchgehalten ... 

 

 

...und das letzte Bild hoch geladen…

 Ich habe das Projekt beendet, ich kann es kaum glauben!

Zum Schluss wurde es sehr mühselig.

Warum? Ich kann es nicht sagen,

  •  vielleicht war es die tägliche Bildbearbeitung und der Hochlade-Prozess,
  • vielleicht lag es daran, dass ich zunehmend analog fotografierte,
  • vielleicht war es der tägliche Zwang? Ich weiß es nicht.

 

Aber eines ist sicher, ich habe gestern neue Entwicklerlösung angesetzt - diesmal Xtol - auch habe ich schon wieder den nächsten Film entwickelt, der eventuell heute auf die Festplatte kommt. Ich habe immer noch meine Kamera griffbereit an der Garderobe hängen, um sie kurzfristig auszuführen.


Ich habe also nicht die Lust am Fotografieren verloren, sondern wahnsinnig viel Lust auf neue Projekte und Ideen.

 

 

Noch einmal zur Erinnerung: Warum habe ich das eigentlich gemacht?

  • Ich wollte üben, üben und üben.
  • Ich wollte neues ausprobieren und lernen Motive zu sehen.
  • Ich wollte einen Grund haben meine Kamera auszuführen.

 

Und was ist passiert, in diesem Jahr?

  • Ich habe mich intensiv mit dem Thema Fotografie auseinandergesetzt.
  • Ich habe täglich geübt, Fotografieren und Nachbearbeitung.
  • Ich kam zu dem Schluss, dass Nachbearbeitung, auch extreme Nachbearbeitung nicht verpönt ist,
  • ich lernte mithilfe meiner Kamera und den manuellen Einstellmöglichkeiten, die eine Kamera bietet ein Bild zu gestalten.
  • Ich lernte, dass aus Nichts ein tolles Bild entstehen kann,
  • ich lernte aber auch, wie frustrierend es sein kann, eine lange Zeit enttäuschende Bilder nach Hause zu bringen.
  • Auch habe ich gelernt, dass manche Bilder reifen müssen, um gut zu werden.
  • Ich habe Schwarz/Weiß fotografiert und bearbeitet und so gelernt Fotos Schwarz/Weiß zu sehen.
  • Ich habe das Licht kennen gelernt, über- und Unterbelichtung und noch vieles mehr.

 

 

Ganz besonders freut mich, dass ich alte Kameraschätze kennen gelernt habe. Der Umgang mit dieser robusten und handfesten Technik macht wahnsinnig Spaß. Die Kameras sind handgemacht, aus Metall, handfest, unglaubliche Mechanikwunder, die auch nach einem halben Jahrhundert noch funktionieren, wie damals. Gerade in einer Zeit, in der ein Drucker nach 4 Jahren den Geist aufgibt, oder ein Handy nach 3 Jahren durch ist, scheint diese robuste Feinwerkarbeit aus einer vergessenen Zeit fast wie ein Wunder.

 

Gerade bei den alten Kameras gibt es zwei Dinge, die immer wieder passieren. Wenn jemand diese Schätze in die Hand nimmt, sucht er erstmal das Display, das ja hinten fehlt. Auch wenn jemand Bild geschossen hat, blickt er meistens auf die Rückseite, um dann (häufig etwas enttäuscht) festzustellen, dass da ja gar nichts angezeigt wird.

 

 

 

Mein großer Sohn, hat mittlerweile eine analoge Spiegelreflex aus den Neunzigern von mir bekommen. Diese hat einen Autofokus, also ist sie für ihn leichter zu bedienen. Er hat einfach kaum Spaß daran gehabt über ein Display zu fotografieren. Der Sucher – das gute alte Ding – hat er lieb gewonnen. Mittlerweile geht er mit diesem riesigen Ding zum Einkaufen und fotografiert alles was ihm vor die Linse läuft. Er ist unglaublich aufgeregt, wenn er einen Film voll hat und noch aufgeregter, wenn er die fertigen Bilder ansehen kann. Diese werden dann in seinem Zimmer liebevoll ausgestellt.

 

 

Ich habe angefangen zu entwickeln. Mit Wechselsack und Waschbecken ist das mittlerweile ein Kinderspiel. Auch hier kann ich die Magie der Fotografie fast greifen, wenn der Film nach dem letzten Wässern auf die Leine kommt und diese kleinen negativen Bilder zu sehen sind. Auch jetzt ist es immer noch ein Wunder. Mittlerweile wird gepusht und demnächst, wenn es heller wird auch gepullt und ich bin gespannt auf die Ergebnisse. 

 

 

Ich habe gelernt anders zu fotografieren, es entstehen keine Massen mehr an Fotos, sondern gezielte Aufnahmen, die sehr schnell sortiert werden.

 

Ein Fazit kann ich nicht ziehen, nur eines ist sicher, ich habe die Fotografie intensiv kennen gelernt und festgestellt, dass sie mir sehr gut gefällt.

 

Und was kommt jetzt?

 

Ich weiß es nicht, vor vier Wochen hätte ich geantwortet, die Kamera bleibt erstmal liegen, aber heute habe ich wieder richtig Lust auf neue Fotos und neue Projekte. Ich glaube die Pflicht nach einem Bild pro Tag hat mir die Lust aufs Fotografieren nicht versaut, sondern nur verstärkt. Ich werde also auch heute wieder mit der Kamera zum Bäcker gehen und hoffen ein Motiv zu finden, über das ich mich dann bei einer Tasse Kaffee freuen kann.

 

 

Am Anfang war der Februar: Februar 2012

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